Gegen Benachteiligung in der Schule

Benachteiligung in der Schule

Junge macht ein böses Gesicht

Geschlechtsspezifisch unterschiedliche Entscheidungen, Verhaltensweisen und Kompetenzen werden bei Österreichs Schülern und Schülerinnen an vielen Punkten ihres Bildungsweges sichtbar: Schon nach der 4. Schulstufe, bei der ersten Schulwahlentscheidung, zeigen die Buben andere Präferenzen als die Mädchen: Sie gehen etwas öfter in eine Hauptschule und etwas seltener in eine Allgemeinbildende Höhere Schule (AHS). Nach der zweiten Schulwahlentscheidung, also nach der 8. Schulstufe, besucht eine relative Mehrheit der Burschen (31,3%) eine Berufsbildende Höhere Schule (BHS), fast ebenso viele eine Polytechnische Schule (29,5%), 21,4 Prozent eine AHS und 17,8 Prozent eine Berufsbildende Mittlere Schule (BMS). Die Anteile der Mädchen liegen bei allen Schultypen mit Ausnahme der Polytechnischen Schulen höher. Die Polytechnischen Schulen sind noch immer eine typisch männliche Schulform. Für eine Lehre entscheiden sich deutlich mehr Burschen als Mädchen. Die AHS-Oberstufe hingegen ist in den letzten 40 Jahren zu einer „weiblichen“ Schulform geworden. In der BMS liegt der Anteil der männlichen Schüler seit 20 Jahren konstant bei 40 Prozent (Statistik Austria, 2010a, S. 25).  Bereits die erste Schulwahlentscheidung verringert für die Buben die Chancen, später eine höhere Bildung einzuschlagen. Diese Tendenz setzt sich im Lauf der Schulkarriere fort: Die Burschen bleiben statistisch gesehen diesbezüglich mit fortschreitendem Alter immer mehr hinter den Mädchen.

Auch bei den Personen im typischen Maturaalter, die mit einer Matura abschließen, sind es bereits 51 Prozent Frauen eines Jahrgangs und nur 36 Prozent Männer. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern wird sich in den kommenden Jahren sogar noch verstärken. Im Jahr 2033 werden es 60 Prozent der Frauen und 41 Prozent der Männer sein. Das geht aus einer im neuen Universitätsbericht enthaltenen Prognose der Statistik Austria hervor. Sollte diese Erwartung tatsächlich eintreffen, dann werde man in Österreich wie schon in Deutschland bald von „Burschen als Bildungsverlierern“ sprechen, sagt die Wiener Bildungspsychologin Christiane Spiel zur „Presse“.