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Ehefrauen zahlen Taschengeld

Frau zahlt Mann Taschengeld
Ehefrauen zahlen Taschengeld

Andere Länder, andere Sitten: Die japanischen Frauen teilen ihren Männern so wenig Taschengeld zu wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

 

In einer kleinen Freiluft-Kneipe unter einer Brücke an Tokios Bahnhof Shimbashi drängen sich japanische Büroangestellte nach Feierabend an schmalen Holztischen, eine Kellnerin serviert kühles Bier und Grillspießchen. Viele ihrer männlichen Gäste investieren hier ihr Taschengeld, das ihnen die eigene Ehefrau monatlich zuteilt. "Okuradaijin", Finanzministerinnen, nennen die Japaner daher ihre Ehefrauen. "Er" bringt das Gehalt nach Haus und bekommt von "ihr" monatlich ein "okozukai", ein Taschengeld.

"Wenn ich mein Gehalt selbst verwalten müsste, würde ich alles auf den Kopf hauen“ erzählt Keiji Nobuta, Leiter eines kleinen Supermarktes in Yokohama. Etwa 38.000 Yen (rund 230 Euro) bekommen Japans Familienväter im Durchschnitt an Taschengeld, wie die Zeitschrift "Shukan Bunshun" herausfand. Doch das reiche vielen nicht.

 

Nach einer Umfrage der Zeitschrift unter 1000 Vätern klagten viele, dass sie nicht einmal mehr genug Geld hätten, um abends mit den Kollegen einen trinken zu gehen, ganz zu schweigen vom Golfspielen am Wochenende. Viele japanische Männer müssen mit diesem Taschengeld Dinge bezahlen, die sie zum täglichen Leben brauchen, wie zum Beispiel Mittagessen, Zigaretten, Kaffee usw. "Ich steige eine Bahnstation früher aus und gehe den Rest zu Fuß nach Hause, um Fahrgeld zu sparen", erzählt ein 47-jähriger Fachschullehrer dem Magazin "Shukan Bunshun". Ein anderer verzichtet sogar gelegentlich auf das Mittagessen. Schließlich wird das Leben teurer, in manchen Familien muss jeder Yen zusammengekratzt werden.

Laut Umfrage der "Shukan Bunshun" zufolge, versuchen viele japanischen Männer mit ihren Frauen über die Höhe des Taschengeldes zu verhandeln - meist vergeblich. Begründet wird die Ablehnung einer Erhöhung damit, dass die Verbraucherpreise stärker gestiegen seien als die Gehälter. 

Die Zeitschrift zitierte eine Hausfrau mit den Worten, ihr Mann solle doch weniger schlafen und stattdessen mehr arbeiten, wenn er mehr Geld wolle. Der Geschäftsmann in der Freiluft-Kneipe von Shimbashi hält es aber trotzdem für "weise, dass Männer den Frauen die Rolle der strengen Finanzministerin überlassen. "Dadurch fühlen sich die Frauen wichtig und zugleich wird der Haushalt gut gemanagt".

Eine Ursache für das geschrumpfte Taschengeld ist die schwächelnde Wirtschaft in Japan, die bis vor zwei Jahren sogar unter einer Rezession litt. Das Land ist mit mehr als dem zweifachen seiner Wirtschaftsleistung verschuldet - so hoch wie keine andere große Industrienation.

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